Kritiken --- John Niven - Kill Your Friends (19. 3. 2008)
John Niven
Kill Your Friends
Von: Sebastian Fasthuber
Das böse Buch.
Sätze auf Buchrücken haben mitunter etwas Dubioses an sich. Oft wollen sie dem Leser etwas verkaufen, das der Autor gar nicht gemeint hat, und machen falsche Versprechungen. Wenn Heyne in seiner zu Recht „Hardcore“ getauften Reihe den Roman Kill Your Friends von John Niven als den „ultimativen Roman zum Untergang der Musikindustrie“ anpreist, dann ist also Vorsicht geboten. Tatsächlich wird hier ausnahmsweise aber nicht zuviel versprochen, eher zu wenig. Denn die Geschichte eines A&R-Managers bei einer großen englischen Plattenfirma – Niven arbeitete selbst einige Jahre in dieser Stellung, ehe er sich ganz dem Schreiben widmete – erzählt nicht nur von einer Branche, in der durchaus manchmal mit dubiosen Mitteln agiert wird und Musiker als Leibeigene betrachtet werden. Vor allem ist es ein unfassbar böses, zynisches, sexistisches und nur so vor Gewaltschilderungen strotzendes Werk, das man trotzdem nicht aus der Hand legen kann. American Psycho im Londoner Musikleben: Der ständig saufende und koksende Steven kommt in seinem Job mangels Verkaufsschlagern ganz schön unter Druck. Die Probleme löst er auf seine Weise, indem er seinen direkten Vorgesetzten brutal abmurkst. Das ist nur der Anfang dieses zutiefst bösen Buchs, das dem Rezensenten ein perverses Vergnügen bereitet hat.
Heyne Hardcore, 380 Seiten. Deutsch von Stephan Glietsch.
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