Mit 26 Jahren hat die Weltenbummlerin Ayo schon einiges erlebt. Nicht nur Schönes. Auf dem Album Joyful singt sie ihre Geschichte.
Wahre Geschichten. Die Songs der Deutsch-Nigerianerin warten mit viel Drama und echtem Herzblut auf. Joyful, so heißt das in New York entstandene Album, erzählt in zwölf Songs die Geschichte von Joy Olasunmibo Ogunmakin alias Ayo und ihrer Familie. „Eigentlich sind es ja nur elf“, lacht die sympathische Sängerin beim now!-Interview, „,And It’s Supposed To Be Love’ ist eine Coverversion. Aber die Beziehungsprobleme, die darin beschrieben werden, hat jeder schon einmal erlebt. Es sind also alles wahre Geschichten, die ich singe.“ Ayos Geschichte beginnt 1980 in Köln, wo sie als jüngstes von vier Kindern eines Nigerianers und einer Roma geboren wird. „Mein Vater ist in den Siebzigern als Student nach Deutschland gekommen, meine Mutter lebte schon länger da. Er hat am Wochenende in Clubs aufgelegt, sie hat zu seiner Musik getanzt. Irgendeine Macht hat gewollt, dass sie sich treffen.“
Drogen. Ayos Schwierigkeiten in der Kindheit rührten jedoch nicht von ihrer Hautfarbe her. Es waren Drogen, die die Familie zerrütteten. „Als ich fünf war, ist meine Mutter heroinabhängig geworden“, erinnert sich die Tochter. „Mein Vater musste Geld verdienen und sich um alle vier Kinder kümmern. Und meine Mutter war sein fünftes Kind. Sie war ständig auf Achse, hat mich sogar manchmal mitgenommen, wenn sie wieder mal nach Holland gefahren ist.“ Dass sich der Vater bis zur totalen Erschöpfung für seine Kinder eingesetzt und Ayo mehrmals von Pflegeeltern zurückgeholt hat, rechnet sie ihm heute sehr hoch an und schenkt ihm dafür den Song „Thank You“: „Ich wollte ihm meine Dankbarkeit zeigen. Unsere Beziehung war nicht immer so gut, denn er war der Part bei meinen Eltern, der mir oft Sachen verboten hat. Klar, meine Mutter hat mir im Drogenrausch schnell mal was erlaubt.“ Der Mutter wiederum hat Ayo den Song „How Many Times?“ gewidmet. Oftmals hat die Mutter schon einen Entzug gemacht, wirklich erfolgreich war sie bislang nie. „Ich kann mich noch erinnern, als ich gerade meinen Führerschein gemacht hatte, da habe ich meine Mutter selbst einmal eingepackt und in eine Klinik gebracht“, sagt Ayo. „Aber von Heroin völlig loszukommen, ist sehr schwierig, wenn man einmal süchtig war.“
Unpeinlicher Seelenstriptease. Es gehört zu den brutalsten Erfahrungen im Leben, wenn sich ein Kind permanent Sorgen um einen Elternteil machen muss. Ayo hat sich in eine Fantasiewelt zurückgezogen. „Ich war ein Einzelgänger und aus heutiger Sicht sicher auch ein wenig verhaltensauffällig als Kind“, sagt sie. „Ich habe auch viel gelogen. Teils weil es mir peinlich war, Schulkollegen die Wahrheit zu sagen, teils lag das auch an meiner blühenden Fantasie.“ Heute ist sich Ayo sicher, dass Musik die beste Therapie ist. Songs über ihre Geschichte und ihre Familie zu schreiben, hat ihr Kraft gegeben. „Wenn mich Leute fragen, wie lang ich an diesen Songs geschrieben habe, sage ich immer: Mein ganzes Leben“, lacht sie befreit. „Es hat aber tatsächlich lange gedauert, vor allem die Suche nach geeigneten Produzenten. Ich wollte keine schwarze Britney Spears aus mir machen lassen.“ Umso überzeugender klingt Joyful: ein akustisches, aus Folk, Blues, Reggae und World Music gespeistes Album, das musikalisch viel mehr an die Sechziger und Siebziger und Ayos Idole wie den großen Soulsänger Donny Hathaway erinnert als an den R’n’B der Neuzeit. „Da bin ich, das bin ich“, sagt die Musik auf Joyful gelassen. Im Booklet finden sich sogar Fotos von Ayos Familie. „Ich habe nichts zu verbergen“, kommentiert das die Sängerin, die heute in Paris lebt. Ein Seelenstriptease, der erstaunlich frei von peinlichen Momenten ist.
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