Der deutsch-türkische Rapper Kool Savas ist der geheime Superstar der deutschsprachigen HipHop-Szene. now! hat ihn über sein Alter Ego John Bello, seine eigene Geschichte und den HipHop heute befragt.
Sie müssen jetzt ein wenig HipHop-Nachhilfeunterricht leisten. Wer ist eigentlich dieser John Bello? Gerne. Der Typ ist ein bisschen verrückt und krank, aber auf keine ungute Art. Die ganze Sache ist aus einem Spaß heraus entstanden. Eine Zeit lang hieß Bello bei mir und meinen Kumpels so etwas wie „Was geht ab“. Bei einem Interview ist mir dann spontan rausgerutscht, dass mein neues Album Die John Bello Story heißen wird. Und da musste ich auch Wort halten. Ich glaube, ich habe mich durch die Figur John Bello locker gemacht.
Auf dem neuen Album gibt es das Stück „Immer wenn ich rhyme“. Was passiert da mit Ihnen? Das ist für mich wie Meditation. Die Musik läuft als Loop die ganze Zeit im Ohr, während man seine Texte vor sich hin schreibt. Man vergisst Zeit und Raum. Das ist meiner Meinung nach auch der Grund, warum so viele Leute, die aus problematischen Verhältnissen kommen, rappen. Etwas aufzunehmen und dann seine eigene Kreation zu hören, ist die größte Befriedigung. Für ein paar Minuten darf man sich ein bisschen wie Gott fühlen.
Im Titelstück „Die John Bello Story“ wird erzählt, wie Sie zwischen Deutschland und der Türkei aufgewachsen sind, und dass Ihr Vater als politischer Aktivist inhaftiert war. Ich bin eher ein verschlossener Mensch und wollte das nie an die große Glocke hängen. Auf der anderen Seite hat mir meine Produzentin und beste Freundin Melbeatz gesagt, ich muss endlich mal was von mir persönlich preisgeben.
Hat Sie Ihre Familiengeschichte geprägt? Ja, klar. Alles, was bis zum 12. Lebensjahr oder so passiert, kommt von den Eltern. Danach kommen erst das Ausbrechen und der eigene Wahnsinn. Da habe ich mich dann auch von dem politischen Engagement meiner Eltern sehr distanziert. Ich verbinde damit einfach zu viele negative Erinnerungen.
Sie wirken wie ein ruhiger, nachdenklicher Typ. Auf der anderen Seite stehen einige derbe Songs, die Sie „Fickstorys“ nennen. Muss man die machen, um als Rapper Erfolg zu haben? Weiß ich gar nicht. Mir geht es darum, die volle Bandbreite abzudecken. An einem Tag passieren einem tausend Dinge und man hat die verschiedensten Emotionen. Für jede davon will ich ein Stück parat haben. Manchmal ist man halt mit seinen Jungs in Clubs unterwegs und schaltet auf Bräute- und Party-Modus.
Sie rappen, Sie seien „der letzte meiner Gattung“. Sterben die echten Rapper aus? Viele rappen nur mehr über Techno-Beats. Das wäre nichts für mich, darüber mache ich mich auch im Stück „Technopilot“ lustig. Wenn man wie ich ein relativ straightes Rap-Ding durchzieht, ist man 2010 in der Minderheit. Ich verstehe mich als Gegengewicht.
In „Mach doch deinen Scheiß“ sampeln Sie einen Wutausbruch von Klaus Kinski. Wie kamen Sie auf die Idee? Wir haben im Studio in seiner Autobiografie gelesen und uns über einige Textstellen total bepisst. Im Internet haben wir dann diesen Wutanfall gefunden. Diese Sätze von Kinski bleiben im Kopf hängen wie eine Hookline. Das hat mich an ein Interview erinnert, wo Kanye West über das Geheimnis seines Erfolgs geredet hat. Der hat gemeint, egal wie undergroundig ein Stück klingt, es muss eine Hookline haben, dann kann jeder Scheiß ein Hit sein. Das haben wir befolgt. Kinski ist die Hook, er hält den Track zusammen.
Album: Die John Bello Story III (Essah / Groove Attack)
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