Der österreichische Sänger, Songschreiber und Musiker hat zwischen Wien und Los Angeles nicht nur seine musikalische Heimat gefunden.
Es braucht oft nicht viel, um Begeisterung zu wecken. Zwei Schlüsselerlebnisse haben ausgereicht, dass die Musik die Hauptrolle in Axel Wolphs Leben übernahm. „Mit elf entdeckte ich die alte Stratocaster meines Vaters. Von da an ließ ich den Klavierunterricht sausen“, erinnert er sich. Und zweitens: „Mit zwölf drückte mir mein Schulbanknachbar die Platte mit dem schwimmenden Baby in die Hand. Ich spielte bis zu diesem Tag immer Beatles, Clapton und Blues-Zeugs. Die Energie von ,Smells Like Teen Spirit’ werde ich nie vergessen, es kribbelte am ganzen Körper.“ Von da an ging es ziemlich Schlag auf Schlag. Schon in sehr jungen Jahren konnte Wolph mit seiner Grunge-Band Mindcure in den 1990er-Jahren beachtliche Erfolge einfahren. Seine Musik wurde nicht nur auf FM4 gespielt, sondern lief auch auf MTV und VIVA. Ein Blitzstart, der aber mit einer Bruchlandung endete. „Durch meinen frühen Beginn und den schrägen, schnellen Achtungserfolgen damals war der Weg für mich klar, doch die Latte lag sehr hoch“, rekapituliert der heute 30-jährige Musiker. „Wenn plötzlich Angebote von Majorlabels eintrudeln, glaubt man als Pubertierender, man ist der kleine Bruder vom Allmächtigen. Die erste Hälfte meiner Zwanziger war demnach von Runterkommen und Selbstfindung geprägt.“
Jetzt, könnte man sagen, ist Axel Wolph angekommen. Nachdem er es zwischenzeitlich mit Ordinary World noch einmal mit einer Band versucht hatte, firmiert er nun ausschließlich als Solokünstler. Er schreibt die Songs, singt, spielt bis aufs Schlagzeug alle Instrumente ein, arrangiert und produziert. Und er macht es richtig gut, wie schon im Vorjahr das Album Wedding Songs andeutete. Heuer hat er gar schon zwei Alben fertig. Im Frühjahr ist die akustische Lagerfeuer-Platte Poet With A Punk’s Heart erschienen, die u.a. durch eine Coverversion von Robert Palmers „Johnny And Mary“ auffiel. Darauf folgt jetzt The Weekend Starts On Wednesday, Wolphs bislang reifste und gleichzeitig entspannteste Übung, ein schönes Rockalbum, das nicht umsonst nach amerikanischer Westküste klingt. Seit ein paar Jahren verbringt der in Wien lebende Oberösterreicher nämlich regelmäßig ein paar Monate im Jahr in Los Angeles.
„Als ich zum ersten Mal 2004 nach Los Angeles kam, hasste ich diese Stadt, diesen riesigen Haufen schlechter Architektur und Hitze“, erzählt er über seine Beziehung zu L.A. „Doch irgendetwas faszinierte mich auch. Es war Hassliebe auf den ersten Blick. Heute kann ich sagen, dass mich vor allem die Natur in Kalifornien begeistert. So pur und gewaltig, ohne Kompromisse. Und es ist die Diversität der Stadt Los Angeles, die mich fasziniert. Die Stadt hat eine gewisse Mystik, etwas Geheimnisvolles hinter jeder Ecke und Fassade.“ Der Pendler zwischen den Kontinenten kann sogar unerwartete Parallelen zwischen hier und dort feststellen: „Wien und Los Angeles sind wie Hans Moser und James Dean. Beide tot und trotzdem lebendig. Beide charmant, beliebt, berühmt und auf ihre Art und Weise berührend. Ich bin kein echter Wiener und auch kein Amerikaner, ich fühle mich als Beobachter dieser Welten.“ Heuer wird sich L.A. für Axel Wolph ausnahmsweise nicht ausgehen. Im August steht die Geburt seines zweiten Sohnes an, außerdem veranstaltet er in der Kunsthalle in Wien den Live-Club „Electric Lagerfeuer“. In den USA wird er trotzdem präsent sein, spielen doch schon eine ganze Reihe von Radiostationen quer durch die ganze Nation seine Songs. „Da ich hier in Österreich mit meiner formatuntauglichen Musik nicht auf Rotation laufe, ist der Radioerfolg in den USA schon sehr angenehm und spannend“, sagt Wolph. Und noch etwas sagt er, man würde es gern auf Plakaten im ganzen Land stehen sehen: „Die Welt ist groß, sie hört nicht bei den Alpen auf.“
Neues Album: The Weekend Starts On Wednesday (United Indies)
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