Jakob Dylan, der Sohn des großen Bob, ist kein Neuling im Geschäft. Aber zum ersten Mal veröffentlicht der 38-Jährige, der zehn Jahre als Sänger der Wallflowers vor allem in den USA erfolgreich war, ein Album unter seinem Namen. Da die Songs von Seing Things von Produzent Rick Rubin ähnlich karg und spärlich instrumentiert wurden wie dessen Arbeiten mit Johnny Cash oder Neil Diamond, erinnert Jakob Dylan jetzt auch musikalisch stark an seinen Übervater.
now-on.at Mit Ihrer Rockband, den Wallflowers, haben Sie zehn Jahre lang Millionen von Platten verkauft. Wie kam es jetzt zu dem Plan, ein halbakustisches Folkrock-Album ohne Ihre Stammband aufzunehmen? Jakob Dylan Die Idee gibt es schon lange. Auch während meiner Zeit als Sänger der Wallflowers habe ich es schon eine ganze Weile vorgehabt, eine solche Platte zu machen. Eine raue, archaische, sehr direkte, quasi akustische Platte. Bloß passte das nicht in den Kontext der Band, die ja doch eher für Rock’n’Roll steht. Die anderen in der Gruppe fühlten sich auch nicht so wohl bei dieser Art von kleinem, reduziertem Sound. Also merkte ich: Jakob, das musst du wohl alleine machen.
now-on.at Zum ersten Mal erinnert Ihre Musik nun stark an Ihren Vater, an Bob Dylan. Brauchten Sie eine gewisse künstlerische, musikalische Reife, um sich auf dieses riskante Terrain vorzuwagen? In den riesigen Schatten der großen Dylan-Tradition? Jakob Dylan Mein Vater ist mein Vater. Und ich bin ich. Mit Tradition oder Alter oder Reife hat das nichts zu tun. Ich finde, man sollte mein Soloalbum Seeing Things losgelöst sehen von der Musik meines Vaters. Natürlich ähneln sich unsere Stimmen, und wir haben vielleicht auch vergleichbare Vorlieben beim Musizieren. Aber mein Plan ist es jetzt genauso wenig wie früher, mich auf seinen Pfaden durchs Leben zu schlängeln.
now-on.at Wie findet Bob Dylan das Album von Jakob Dylan? Jakob Dylan Wenn ich ihn richtig verstanden habe, mag er es gern. Aber wir unterhalten uns meist über andere Dinge als die Musik. Mein Vater ist nicht mein Kritiker.
now-on.at Haben Sie sich inzwischen damit abgefunden, ein „Dylan“ zu sein? Immerhin veröffentlichen Sie mit Seeing Things erstmals eine Platte unter Ihrem richtigen Namen. Jakob Dylan Damit abgefunden habe ich mich schon als Kind. Aber der Name ist bis heute eher eine Belastung als eine Bereicherung. Er verstellt den Blick auf meine Musik und stellt mich unter einen Lampenschirm, unter dem ich mich nicht sonderlich wohl fühle.
now-on.at Schirmen Sie deshalb Ihre Frau und Ihre vier Söhne, die zwischen sechs Monaten und 14 Jahren alt sind, so rigoros von der Öffentlichkeit ab? Jakob Dylan Die Familie ist mir heilig, unsere Privatsphäre extrem wichtig. Deshalb spreche ich auch in Interviews nicht über meine Familie.
now-on.at Schon verstanden. Also reden wir über die Lieder auf Seeing Things. Sind die Songs, so melodisch und intensiv sie nun sind, so geworden, wie Sie sich das vorgestellt haben? Jakob Dylan Ja, das sind sie wirklich. Bei akustischen Arrangements kommt es ja noch stärker auf die eigentliche Qualität der Songs an. Man hat keine Möglichkeit, sie zu verkleiden oder in Krach zu verstecken. Bei den Liedern, die ich in der Vergangenheit geschrieben habe, war meist klar, dass sie für eine Band gedacht sind. Diesmal kam es eben auf eine andere Präsentation der Songs an. Ob sie nun besser oder schlechter sind als Wallflowers-Songs, das ist Geschmackssache. Aber ich war schon darauf bedacht, dass jeder Song als solcher das Interesse für drei oder vier Minuten wach hält.
now-on.at Alles in allem scheinen die Texte eher düsterer Natur zu sein. Die Platte beginnt zum Beispiel mit dem Stück „Evil Is Alive And Well“. Ist das Böse an sich das Hauptthema von Seeing Things? Jakob Dylan Für mich ist es eine sehr realistische Platte, aber keine düstere Platte. Andererseits, ich fürchte, nun ja, ich bin schon eher ein Grübler. Ich bin nicht der größte Optimist und schon gar nicht der fröhlichste und unbeschwerteste Mensch der Welt. Das entspricht nicht meinem Charakter. Die Lieder spiegeln schon meine Weltanschauung wider.
now-on.at Sind Sie also ein Pessimist? Jakob Dylan Soweit würde ich nicht gehen. Wenn ich nur noch schwarzsehen würde, hätte ich keine Kinder in die Welt gesetzt.
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