Wolfgang Böck brilliert in der TV-Filmreihe Trautmann als erdiger, menschlicher Kriminalpolizist mit Durchhaltevermögen.
Inspektor. Oft hat der Zuseher das Gefühl, Trautmann will nicht mehr. Obwohl er jedes Mal verlässlich seinen Dienst antritt, hat dieser Kieberer gehörig den Blues. Aus der TV-Serie Kaisermühlen-Blues hervorgegangen, hat sich die Figur des Trautmann in der gleichnamigen Serie zu einem eigenen Phänomen entwickelt. Wolfgang Böck spielt einen Inspektor, der kein strahlender Held ist, sondern ein echter, gebrochener Mensch, der einen oft unbedankten Job macht und weiß: Er kann manchmal ein, zwei Verbrecher dingfest machen, dadurch wird die Kriminalität jedoch nicht weniger. Regelmäßig beschleicht den Inspektor ein Gefühl der Vergeblichkeit. Sein riesiger Gerechtigkeitssinn und auch sein Herz siegen schließlich aber über alle Zweifel an der Sinnhaftigkeit seines Berufs. Seine Arbeit führt Trautmann täglich die Schattenseiten und Abgründe des Lebens vor Augen: Menschenhandel, Prostitution, Drogenhandel. Damit ist er ziemlich nah am tatsächlichen Ermittleralltag dran. Trautmann, so haben echte Polizeibeamte attestiert, ist die realistischste Krimiserie im Fernsehen. Wolfgang Böck hat seine „Kollegen“ auch öfters bei ihrer Arbeit besucht und sich, vor allem was die Sprache betrifft, einiges abgehört. Dass er selber privat immer wieder als „Herr Kommissar“ angesprochen wird, ringt dem urwienerisch wirkenden Mimen, der in Wahrheit aus Oberösterreich stammt, ein Schmunzeln ab: „Ich bin doch nur ein kleiner Abteilungsinspektor.“
Tatort Wien. Zum ersten Mal über österreichische Fernsehschirme flimmerte die Figur Trautmann 1995 im Kaisermühlen-Blues. Während er in der Grätzel-Saga vor allem als Privatmensch und Partner von Gitti Schimek (Marianne Mendt) gezeigt wurde, fokussiert die nach dem Blues-Ende im Jahr 2000 gestartete TV-Filmserie Trautmann ganz auf den Job. In bislang zehn Filmen hat Böck ermittelt, und immer wieder Zähigkeit bewiesen. Ob es darum geht, einem russischen Mädchenhändler das Handwerk zu legen oder Drogendeals im großen Stil zu vereiteln: Kein Fall ist zu schwierig, als dass Trautmann nicht geduldig abwarten würde, bis am Ende die Falle zuschnappt. Tatkräftige Unterstützung erfährt er dabei von seinen jungen Kollegen „Burschi“ Dolezal (Simon Schwarz) und Tränkler (Monica Weinzettl). Weniger gut kommt er mit dem Abgeordneten Grünsteidl (brillant: Erwin Steinhauer) aus, dem Inbild des korrupten Politikers, der für seinen eigenen Vorteil immer wieder in bedenkliche Nähe zum Verbrechen gerät. Ursprünglich hätte die von Ernst Hinterberger (Buch) und Thomas Roth (Regie) geschaffene Serie zur Tatort-Reihe gehören sollen. Dem großen deutschen Produktionspartner ARD war der Trautmann jedoch zu österreichisch und zu dialektlastig. Genau dadurch aber hat die Serie ein unverkennbares Gesicht und einen eigenen Charme entwickelt. Letzterer hängt neben den erdigen, liebenswerten Charakteren auch an den Wien-Bildern, die gezeigt werden. Es sind keine Klischee-Ansichten, sondern ungewöhnliche Perspektiven auf die Donaumetropole und ihre weniger bekannten Ecken. Und auf das goldene Wiener Herz mit all seinen Widersprüchlichkeiten. Trautmann bietet beste Unterhaltung zwischen Spannung, Humor und Einblicken in die düsteren Seiten der menschlichen Seele. Fast wie im richtigen Leben.
Top-Interview SCISSOR SISTERS Schwitzen in der Nachtschicht Sänger Jake Shears spricht über die Hintergründe des neuen Langspielers und verrät Erhellendes über New York und Berlin, Stuart Price und Neil Tennant sowie Disco als allerletzte Utopie. mehr
Top-Album I AM KLOOT Sky At Night Im melancholischen Grau schimmern unzählige Farben. Wie der Himmel über Manchester: Ein diffuses Leuchten. Der Tag kann kommen für I Am Kloot. mehr
Top-Buch DAVID NICHOLLS Zwei an einem Tag Eine packende Liebes- und Lebensgeschichte, die hautnah am Leben dran ist, beseelt von glaubwürdigen, realen Charakteren. Absolut lesenswert. mehr