Durch die Realityserie The Osbournes wurde er überraschend zum Fernsehstar, aber der Rock’n’Roll juckt Ozzy Osbourne immer noch. Mit Black Rain bringt er nun sein erstes Studioalbum seit sechs Jahren heraus. Ein geplantes Interview mit now! in London wurde leider kurzfristig abgesagt. Schade, man hätte ihn gern einmal aus nächster Nähe gesehen und live in Aktion erlebt. Ein paar Tage später ergab sich jedoch die Möglichkeit zu einem Telefongespräch. Und Ozzy Osbourne nahm tatsächlich den Hörer ab.
now! Es ist eine große Freude, mit Ihnen sprechen zu dürfen. Ihr neues Album Black Rain beginnen Sie mit den Songs „Not Going Away“ und „I Don’t Wanna Stop“. Was motiviert Sie dazu, immer noch Platten zu machen? Ozzy Osbourne Das ist das, was ich mache. Ich kann sonst nichts, ich habe nichts anderes gelernt. Ich bin auch schon in Pension gegangen, aber es hat mich immer wieder ins Studio gezogen. Die Musik ist mein Leben.
now! Wie ist Black Rain entstanden? Ozzy Osbourne Es ist die erste Platte, die in meinem Heimstudio gemacht habe. Wissen Sie, wie ich das nenne? Den ultimativen Luxus für jeden Musiker. Wenn man sich ein Studio mieten muss, kostet jede Sekunde Geld. In mein Studio kann ich gehen, wann ich will. Black Rain ist auch die erste Platte, die ich ganz ohne Drogen und Alkohol aufgenommen habe. Eine großartige Erfahrung, ich kannte das nicht. Zakk Wylde hat mir sehr geholfen. Er ist als Gitarrist und Co-Autor schon lange eine wichtige Kraft bei meinen Alben. Und er ist noch verrückter als ich.
now! In den neuen Songs ist viel von der Zerstörung des Planeten Erde die Rede. Ist das Ende nah? Ozzy Osbourne Ich weiß nicht. Ich bin kein Politiker, ich beobachte das nur. Vielleicht sehe ich zu viel fern. Diese verdammten Nachrichtenkanäle zeigen immer nur schlechte Nachrichten. Echos davon verfolgen mich im Schlaf. Als ich mit Black Sabbath „War Pigs“ machte, hatte ich keine Ahnung, wie weit es einmal kommen würde. Ich verstehe nicht, was mit diesem Planeten passiert, es macht mir einfach Angst.
now! Einige Songs handeln von Kriegen und ihren Auswirkungen. Sie haben George W. Bush getroffen, haben Sie darüber mit ihm gesprochen? Ozzy Osbourne Nein. Als ich ihm zum Dinner traf, war Amerika noch nicht im Krieg. Es war aber eine komische Stimmung, alle waren von 9/11 geschockt. Ich meine, wann sonst wurde Amerika angegriffen? Ich glaube, das letzte Mal war bei Pearl Harbour. Und diesmal traf es New York. Aber wie gesagt, ich bin kein Politiker. Ich kann diese Dinge nicht ändern, ich kann nur singen, was ich mir denke.
now! Die Realityshow The Osbournes hat Ihr Image drastisch geändert – vom Schockrocker zum durchgeknallten, aber netten Familienmenschen. Ozzy Osbourne Aber sie hat mich verrückt gemacht. Die Fernsehsache ist mir über den Kopf gewachsen. Ich hätte diese Leute nicht in mein Haus lassen sollen, das war der größte Fehler meines Lebens. Ständig waren 12, 15 Kameras im Haus. Da muss man durchdrehen.
now! Sie haben keine guten Erinnerungen an die Serie? Ozzy Osbourne Ich hatte keine Ahnung, worauf ich mich einlasse. Ich bin eigentlich kein TV-Mensch. Ich schaue viel fern, aber ich muss selbst nicht darin auftreten. Das war Sharons Idee, sie liebt das. Die Leute fragen mich immer, wer das Drehbuch geschrieben hat. Aber es gab kein Drehbuch. Wir haben einfach das gemacht, was wir immer tun. Durch die Anwesenheit der Kameras ist allerdings alles eskaliert, die ganze Familie ist verrückt geworden. Die erste Zeit war lustig, am Ende wollte ich nur noch abhauen.
now! Die Zuseher liebten The Osbournes wegen der verrückten Sachen, die ständig passiert sind. Wann waren Sie zum letzten Mal so richtig verrückt? Ozzy Osbourne Gestern abend um elf.
now! Das war schlagfertig. Ozzy Osbourne Was soll ich machen? Ich bin lieber 58 und ein ausgeflippter Rocksänger, als im Irak zu kämpfen.
now! Sie hatten in den letzten Jahren einige Schicksalsschläge zu überstehen. Ihre Frau Sharon war sehr ernst krebskrank, sie hatten einen lebensgefährlichen Motorradunfall. Welche Spuren hat das hinterlassen? Ozzy Osbourne Sharons Krankheit hat mich natürlich sehr mitgenommen, und meine Kinder haben begonnen, Drogen zu nehmen. Ich fühlte zum ersten Mal Verantwortung, sie brauchten mich. Mein Unfall hat mir gezeigt, dass ich nicht unzerstörbar bin. Ich bin nicht „Iron Man“. Ich kann zerbrechen, ich bin sterblich.
now! Konnten Sie Ihrer Frau etwas zurückgeben? Sie ist in schwierigen Zeiten, in denen die meisten Frauen gegangen wären, immer bei Ihnen geblieben. Ozzy Osbourne Sie hat mich gerettet, jetzt habe ich sie gerettet. Aber ich habe sie nur einmal gerettet. Wissen Sie, ich war ein furchtbarer Mensch und habe Sharon das Leben zur Hölle gemacht. Neulich war ich bei einem Therapeuten, diese Leute verdienen viel Geld mit mir. Er hat mich gebeten, mir vorzustellen, meine Frau wäre Alkoholikerin und drogensüchtig. Hätte ich es 25 Jahre an ihrer Seite ausgehalten? Ich habe mir gedacht: Verdammt, das hätte ich sicher nicht. Sie hat zu mir gehalten. Ich liebe sie.
now! Sie haben Sharon die Ballade „Lay Your World On Me“ gewidmet. Ozzy Osbourne Habe ich das?
now! Ihre Plattenfirma schreibt es in der Presseinformation zum Album. Ozzy Osbourne Eigentlich habe ich beim Schreiben nicht an sie gedacht. Ich liebe es einfach, Balladen zu machen. Ich glaube, auf jeder meiner Platten sind zwei drauf. In den anderen Songs muss ich immer schreien. Die Balladen geben mir die Gelegenheit, richtig zu singen. Ich mag das, ich bin mit den Beatles aufgewachsen.
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