Überzeugendes Comeback der Softrock-Combo aus den Siebzigerjahren.
Wer eine Ader für den Singer/Songwriter-Pop und Softrock der Siebziger hat, kommt an America genauso wenig vorbei wie an den Eagles oder Fleetwood Mac. Obwohl keine andere Softrock-Band jener Jahre von der Kritik so gnadenlos niedergemacht wurde wie das Sänger- und Gitarristentrio mit Gerry Beckley, Dewey Bunnel und Dan Peek. Und das will etwas heißen, galt und gilt der Softrock der cooleren Musikpresse doch grundsätzlich als unhörbare Sülze. Aber wie so oft, so irrt der sich gern hip wähnende Musikkritikus auch im Fall von America. Vor allem ihre von Beatles-Produzent George Martin betreuten großen Hits wie das stark an Neil Young erinnernde „A Horse With No Name“, „Sister Golden Hair“, „I Need You“ oder das fabelhafte „Ventura Highway“ gehören alle zu den Klassikern der goldenen Westküstenära - kraft ihrer einschmeichelnden, zuckersüßen Melodien und des wunderbar geschmeidigen Harmoniegesangs, der auch im finstersten Winkel noch die Sonne aufgehen lässt. Gegen Ende der Siebziger wurden die Alben von America schwächer, in den Achtzigern verschwanden sie fast völlig von der Bildfläche, Ende der Neunziger reaktivierten Gerry Beckley und Dewey Bunnel die Band aber wieder (Dan Peek ist schon 1977 ausgestiegen). Sie veröffentlichten seither jedoch vor allem Konzertplatten mit den alten Hits. Dass America jetzt mit ihrem 16. Studioalbum Here & Now auftrumpfen, ist nicht zuletzt das Verdienst einer Reihe von jüngeren Indierock-Musikern, die America rehabilitiert und ihre Songs für gut und cool befunden haben. Allen voran Adam Schlesinger von den famosen Fountains Of Wayne und Ex-Smashing-Pumpkins-Gitarrist James Iha, die Here & Now nicht nur produziert haben und als Musiker mitwirken und im Chor singen. Sie haben auch noch andere auf America stehende Jungspunde wie Ryan Adams, Ben Kweller, My Morning Jacket oder Nada Surf ins Studio geholt. Das Resultat: Eine voll auf die bewährten Stärken von America setzende und ganz in der Tradition ihres Siebzigerjahre-Sounds (weg sind die Synthesizer und Computerbeats ihrer Achzigerjahrescheiben) stehende Songkollektion, die überraschend frisch und zeitgemäß klingt. Egal, ob die voll geglückten Coverversionen von „Almost Love“ (Nada Surf) oder „Golden“ (My Morning Jacket) oder handwerklich mit großem Geschick und feinstem Melodiegespür gefertigte Songs wie „Chasing The Rainbow“, „Indian Summer“ oder „One Chance“ – America agieren auf einem beeindruckend hohen Qualitätslevel und liefern mit diesen 13 Songs den idealen Soundtrack für den herrlichen Sommer da draußen ab. Auf der beigepackten zweiten CD gibt es einen amtlichen aktuellen Konzertmitschnitt mit den alten Hits zu hören. Ein rundum gelungenes Comeback. California über alles.
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