Kritiken --- Garish - Wenn dir das meine Liebe nicht beweist (25. 2. 2010)
Garish
Wenn dir das meine Liebe nicht beweist
Von: Renzo Staub
Die burgenländische Combo fasst sich ein Herz.
„Und dann pack ich endlich aus / Und nicht nur ungefähr / Die Geschichten, die ich hab / Sind den Ärger schon wert / Und ich sing das alte Lied / Und geh runter zum Fluss / Weil ich heute über Nacht / Noch was loswerden muss“. Leise Töne zum Einstand, dann ein Rumms, Chor – große Freude! Es braucht nicht mehr als eine Minute des ersten Lieds „Und dann fass ich mir ein Herz“, um zu erkennen, dass Garish sich mit ihrem fünften Album selbst übertreffen. Alben wie zuletzt Parade (2007) waren ansprechend, die Songs gut, die Musikalität des Quintetts steht sowieso außer Frage. Aber irgendetwas schien die Burgenländer noch zu hemmen, alles rauszulassen, was in ihnen steckt. Was auch immer es war, während der Aufnahmen zu Wenn dir das meine Liebe nicht beweist ist die Angst verschwunden. Garish, die ehemals braven Oberschüler des Pop, klingen 2010 wie verwegene Poeten mit seltsamen und umso verlockenderen Ideen. Thomas Jarmers rätselhaft-lyrische Texte in Kombination mit der extrem vielschichtigen Musik lassen sich am ehesten mit einem Kaffeehausdichter, der zufällig auch einer hochbegabten Indie-Folk-Rock-Gruppe wie zum Beispiel Broken Social Scene vorsteht, vergleichen. Noch einmal aus „Und dann fass ich mir ein Herz“ zitiert: „Komm ich nehm dich in den Arm / Sag an, was willst du hören? / Und die Frage, was dann wird / Will ich heute nicht klären.“ Die perfektionistisch veranlagten Garish haben die Vergänglichkeit allen Tuns erkannt und kosten umso bewusster das Flüchtige, den Moment aus. Und sie tragen Konflikte und Widersprüche offen aus. „All der gut gemeinte Scheiß bringt nichts ein“, singt Jarmer in „Den Idioten zum Beweis“. Klingt wie ein Kommentar über die Schwierigkeiten des Musikerlebens heute. Musikalisch beweist man Mut zum Ungeschliffenen. „Eisenherz“ mit seinem massiven Schlagzeug und prägnantem Cello-Part ist nicht weit weg von Arcade Fire. „Unglück trägt den selben Namen“ beginnt als leiser, leicht verhuschter Eintrag ins Poesiealbum, fährt später aber noch einen fulminanten Cinemascope-Teil mit Bläsern und Glöckchen auf. Das Titelstück ist ein kurzes Folk-Pop-Chanson mit gezupften Streichern. Als vielleicht intensivste Nummer entpuppt sich nach einigen Durchläufen das ruhige, rätselhafte „Die Wahrheit ist davon krieg ich den Mund nicht voll“. Und der Schluss mit „Wir warten“ hat was von einem Finale in einem Westernfilm. Am Ende weiß man nicht mehr, wo man Garish hintun soll. Auch das ein sicheres Zeichen für den Triumph der Band.
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