Kritiken --- Zoot Woman - Things Are What They Used To Be (21. 8. 2009)
Zoot Woman
Things Are What They Used To Be
Von: Sebastian Fasthuber
Das fabulöse Comeback der britischen Electro-Popper.
Ist es wirklich schon so lange her? Seit sechs Jahren befindet sich Zoot Woman, das Bandprojekt von Stuart Price und den Brüdern Johnny und Adam Blake, im Dornröschenschlaf. Dabei war das Trio einst so hoffnungsvoll gestartet. Mit ihrem ersten Album Living In A Magazine (2001), das vom Geist von Bands wie ABC oder den frühen Duran Duran beseelt war, nahmen sie das 1980er-Revival vorweg. Wahrscheinlich waren sie damals einen Schritt zu weit vorn. Während der Dance-Underground von Electroclash bis Techno bald die Achtziger rauf und runter zitierte, blieben im Pop – und bei Zoot Woman handelte es sich immer schon um eine Popband, die sich durch erstklassiges Songwriting auszeichnet – weiterhin junge Männer mit Gitarren und angeblich tiefsinnigen Botschaften am Ruder. Das Nachfolgealbum Grey Day haben viele gar nicht mehr mitbekommen. Es klang introspektiver und weit weniger knallig, fast wie ein Rückzug. In der Zeit, die inzwischen vergangen ist, avancierte Stuart Price zum Produzenten für Stars, die für ihre Alben die richtigen Portionen an Glitzer und Bass benötigen. Er konnte in seiner neuen Funktion die bei Zoot Woman erlernten Fähigkeiten einbringen, ja, streckenweise klangen seine Arbeiten für Madonna oder das letzte Killers-Album Day And Age wie für die jeweiligen Künstler personalisierte Updates des Living In A Magazine-Sounds. Gut für Frau Ciccone & Co., gut auch für Prices Klingelbeutel, schlecht für Zoot Woman, die man irgendwann bereits beerdigt glaubte. Umso schöner, dass sie nun eine fulminante Wiederauferstehung feiern. Stuart Price, der sich in Anlehnung an David Bowie auch Thin White Duke nennt, dreht jetzt den Spieß um und nützt die Erfahrungen in der großen Welt des Pop, um Zoot Woman wieder auf die Landkarte zu bringen. Nicht dass ihre Musik dafür einer Neupositionierung bedürfen würde. Gerade jetzt – in einer Musiklandschaft, in der selbst Rockbands wie Yeah Yeah Yeahs oder The Gossip heftig mit Synthie-Pop flirten – kann die Band, die sich zuerst an die 1980er erinnert hat, ihre Waffen optimal ausspielen. Und zwar mit einer umso fetteren Stuart-Price-Produktion, aber auch mitsamt den typischen melancholischen Zwischen- und Untertönen, die Zoot Woman so reizvoll machen. Den eminent eingängigen Auftakt „Just A Friend Of Mine“, der gleich voll loslegt, könnte auch Kylie Minogue singen. Noch toller klingt er aber, wenn ihn Johnny Blake mit seiner immer etwas zurückhaltenden, scheuen Stimme zum Besten gibt. Mit Ausnahme des sechsminütigen Dancefloor-Krachers „Saturation“ sind die neuen Songs zwar auch zum Tanzen gemacht, zielen aber nicht nur auf die Clubs ab. Sie sind einfach Hits. Things Are What They Used To Be verfügt über die beste Dramaturgie, die man sich für ein Popalbum vorstellen kann: es reiht Hit an Hit an Hit. Wunderbar das etwas ruhigere, traurige „Lonely By Your Side“, ungewöhnlich funky „More Than Ever“, mächtig die wuchtigen Beats und synthetischen Gitarren von „Lust Forever“, großes Kino die E-Piano-Ballade „Blue Sea“, unfassbar cool „Memory“, das den in letzter Zeit inflationär gebrauchten Vocoder-Vocals überraschend neue Facetten abgewinnen kann. Stuart Price weiß, wie ein Song klingen muss, um auch in der Großraumdisco laufen zu können, ohne dadurch die Vision seiner Band zu beschädigen. Im Gegenteil, Zoot Woman sind 2009 noch besser im Vereinen von Oberflächlichkeit und Tiefgang, Synthetik und Romantik, Dampfhammer und feiner Klinge. Echt jetzt: So gut haben die 1980er im Original kaum einmal geklungen.
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