Kritiken --- Axel Wolph - The Weekend Starts On Wednesday (10. 7. 2009)
Axel Wolph
The Weekend Starts On Wednesday
Von: Klaus Winninger
Hits, die das Hitradio nicht spielt. Oder doch?
Den 15. Juli sollte man im Kalender dick anstreichen: An diesem Tag wird Axel Wolphs famoses drittes Album The Weekend Starts On Wednesday endlich auch in den gut sortierten hiesigen Musikgeschäften stehen. In den USA, wo der Wolph im Gegensatz zu seiner österreichischen Heimat kontinentweit gehöriges Radio-Airplay genießt, gibt es die Platte ja schon seit 10. Juni zu kaufen, und im iTunes Store ist sie sogar seit Mitte April zu haben. Axel Wolphs erste Bands, Mindcure, die in den 1990ern mit ihrem Grunge-Rock relativ erfolgreich waren, und die schnelllebigen Ordinary World, sind Geschichte. Mit seinem geglückten Solodebüt Wedding Songs bewies der 30-jährige Musiker Ende 2007, dass er solo noch viel besser drauf ist. Die positiven Kritiken, die seinen Erstling mit Attributen wie „Der bessere Lenny Kravitz“ oder mit Vergleichen mit Prince oder Beck gepriesen haben, waren gut gemeint, aber fast schon wieder eine Geringschätzung. Schließlich sind die Elaborate von Meisterfälscher Kravitz nur noch gähnend langweilig, und die beiden anderen genialischen Musiker haben auch schon verdammt lange keinen so guten Songs mehr wie Wolph fabriziert. Nach dem funky Rock und Pop von Wedding Songs legte er heuer im Frühjahr den elektrisierenden Lagerfeuerballaden-Longplayer Poet With A Punk’s Heart nach. Dessen Aushängeschild ist zwar die zum Niederknien schöne Coverversion von Robert Palmers „Johnny & Mary“, aber auch seine eigenen, zur akustischen Gitarre gesungenen Lagerfeuersongs wie „I Can’t See You Crying“ oder „Back In My Arms“ haben es in sich. Nur wenige Monate später setzt Axel Wolph mit The Weekend Starts On Wednesday jetzt noch einmal einen drauf. Das dritte Soloalbum des zwischen Wien und Kalifornien pendelnden Sängers, Songschreibers und Allround-Musikers, der bis auf das Schlagzeug alle Instrumente selbst spielt, wartet mit hinreißendem, sonnenbestrahlten Ami-Westküsten-Rock zwischen Steve Miller, Tom Petty oder Wilco auf. Wobei die genannten Namen nur als Navigationshilfen dienen – denn Wolphs unpackbar eingängige Songs sind ohne Übertreibung eine Klasse für sich. Der Auftakt „Madly Deep (About You)“ wartet zwar mit dem aerodynamischsten Stromgitarrenriff seit Meister Millers 1970er-Jahre-Hit „Jet Airliner“ auf, und auch die nachfolgenden „Where Do The Birds Go At Night“ und „Traffic Jam (On Hoover Dam)“ könnten vielleicht schon in den 1970ern aus den riesigen, funkelnden Cabrios gedröhnt haben, die auf dem Pacific Coast Highway kreuzten. Doch Wolphs anheimelnd tiefer gelegte Stimme, seine wunderhübsch melodiöse Sologitarre und seine packenden Riffs verorten jedes einzelne Lied im Hier und Jetzt. Hätte mich die ersten paar Tage über, an denen ich diese Songs gehört habe, jemand gefragt, wie denn das restliche Album so klingt, ich wäre die Antwort schuldig geblieben. Weil ich anfangs immer wieder nur die ersten vier, fünf Stücke gespielt habe und davon gar nicht genug bekommen konnte. Inzwischen weiß ich: auch die zweite Hälfte vermag den hohen Standard mit „Someone I Know (Lonesome In Frisco)“, „Life Ain’t Like Hollwood“ oder „This One Is For You” praktisch mühelos zu halten. Eigentlich müsste diesen Sommer The Weekend Starts On Wednesday aus absolut jedem Radio tönen, nicht zuletzt auch aus dem heimischen „Hitradio“. Schließlich sind hier praktisch lauter Hits drauf, deren Ankauf und Genuss ich hiermit nachdrücklich empfehlen möchte.
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